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Serampore

Dänische Gouverneursresidenz

Schon früh übte Bengalen eine große Anziehungskraft auf die Dänen aus. Hier waren nicht nur Baumwoll- und Seidentuche zu haben, sondern auch Salpeter aus der benachbarten Region Bihar. Schon für die 1620er Jahre lassen sich einzelne Handelsfahrten unter dem Danebrog in die südliche Peripherie Bengalens rekonstruieren; in den Orten Pipli und Balasore bestanden kurzzeitig kleine Faktoreien. Ein erster Versuch, sich mit der Niederlassung „Dannemarksnagore“ im Herzen des Landes am Flusse Hughli niederzulassen, scheiterte indes zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Erst im Jahre 1755 gelang es den Dänen, mit der kleinen, etwa 30 Kilometer nördlich Kalkuttas gelegenen Stadt Serampore und einigen umliegenden Dörfern einen dauerhaften Stützpunkt mit etwa 10.000 indischen Einwohnern zu erwerben, der bis 1845 in dänischem Besitz blieb. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich Serampore zu einem kolonialen Städtchen mit der Faktorei der „Asiatisk Kompagni“, privaten Kaufmannshäusern, Gouverneursresidenz, Kirche und Stadtbefestigung. Später kam das noch heute existierende College hinzu.

Von Beginn an spielte der Export einfacher Baumwollstoffe nach Kopenhagen eine große Rolle, die zum großen Teil Eingang in den blühenden dänischen Atlantischen Dreieckshandel fanden. In Kriegszeiten, als Dänemark sowohl in Europa als auch am Indischen Ozean seine Neutralität behauptete, profitierte Serampore wiederum von der Nähe zum britischen Kalkutta. Mühelos konnten Briten, aber auch Niederländer und Franzosen, neutrale dänische Seepässe erwerben, die einen unbehelligten Handel ermöglichten. Ebenso diente die kleine dänische Kolonie dem Transfer oftmals illegal erworbener englischer Privatvermögen nach Europa. Entsprechend zählen die beiden letzten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts zur eigentlichen Blütezeit Serampores.

Neben dem Kommerz avancierte Serampore seit den 1780er Jahren zu einer Freistatt baptistischer und pietistischer Mission, die in Britisch-Indien noch lange Zeit untersagt blieb. Die Missionare hinterließen nicht allein durch die Gründung von Schulen und des College ihre dauerhaften Spuren vor Ort, sondern auch durch die Herausgabe zahlreicher Bücher und der ersten indischen Tageszeitung.

1808 geriet Serampore mit der Besetzung durch britische Kompanietruppen schließlich für einige Jahre in den Strudel der Napoleonischen Kriege, wovon sich die Stadt unter dänischer Flagge bis zu ihrem Verkauf an die Briten nicht mehr erholte. Heute stellt Serampore allein einen Schatten seiner Vergangenheit dar. Im Gegensatz zu Tranquebar blieben größere Investitionen in die Erhaltung der historischen Bausubstanz oder in den Tourismus bislang aus.

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Stand: 06.11.2013
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