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Die Dänen am Indischen Ozean

Dansborg, Tranquebar

Mehr als zwei Jahrhunderte lang wehte über mehreren kleineren Handelsplätzen in Ostindien die dänische Flagge, der Danebrog. Nach dem Vorbild der niederländischen Vereinigten Ostindischen Kompanie gründete König Christian IV. 1616 eine „Ostindisk Kompagni“. Vier Jahre später gelang es den Dänen, den kleinen Handelsplatz Tranquebar an der südostindischen Koromandelküste zu erwerben. Fortan hatten die Dänen nicht nur am profitablen Interkontinentalverkehr zwischen Indien und Europa teil, sondern sie partizipierten auch am traditionellen intra-asiatischen Handel. Während in der Anfangszeit der Handel mit Gewürzen und Tuchen im Mittelpunkt stand, avancierten seit den 1730er Jahren chinesischer Tee und Porzellan zu wichtigen Einkommensquellen. Der dänische Asienhandel war gerade in der Anfangszeit krisenanfällig und litt unter Kapitalmangel, und erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts geriet jener in ruhigeres Fahrwasser. Gespeist aus den Gewinnen des Teehandels gründeten die Dänen weitere Handelsniederlassungen, etwa an der Malabarküste, in Orissa und auf den Nikobaren. 1755 erwarben die Dänen zudem mit Serampore eine kleine Kolonie auch in Bengalen. Es lag vor allem an der außenpolitischen Neutralität in der Zeit des Außenministers Johann Hartwig Ernst von Bernstorff, daß die Dänen am Indischen Ozean von den Kriegen der Briten, Niederländer und Franzosen profitieren konnten. Erst nachdem Dänemark selbst auf seiten Napoleons zur Kriegspartei avancierte, kam es zum Zusammenbruch des Asienhandels und zum Verkauf der noch verbliebenen Handelsplätze im Jahre 1845.

Neben dem Handel bildete Tranquebar seit 1706 auch den Ausgangspunkt einer evangelischen Mission in Ostindien, die von den Franckeschen Stiftungen in Halle und der Herrnhuter Brüdergemeine getragen wurde.

Noch heute zeugen einige beeindruckende architektonische Überreste von der langen Geschichte des dänischen Handels in Asien im kolonialen Zeitalter. Vor allem in Tranquebar sind die noch vollständig erhaltene Festung Dansborg, ganze Straßenzüge im europäisch-kolonialen Stil und zwei Kirchen stumme Zeugen des einstigen Reichtums. Dieses Erbe wird zunehmend auch von indischer Seite als touristisches Kapital gesehen.

Weiterführende Literatur

Architectura 9 (1987), Arkitekturhistorisk Årsskrift: Tranquebar.
Diller, Stephan: Die Dänen in Indien, Südostasien und China (1620-1845), Wiesbaden 1999.
Feldbæk, Ole: India Trade under the Danish Flag 1772-1808. European Enterprise and Anglo-Indian Remittance and Trade, Odense 1969.
Ders./Ole Justesen: Kolonierne i Asien og Afrika, Kopenhagen 1980.
Gross, Andreas u.a. (Hg.): Halle and the Beginning of Protestant Christianity in India, 3 Bde., Halle 2006.
Krieger, Martin: Vom „Brüdergarten“ zu den Nikobaren. Die Herrnhuter Brüder in Südasien, in: Stephan Conermann (Hg.): Der Indische Ozean in historischer Perspektive, Hamburg 1998, S. 209-244.
Ders.: Kaufleute, Seeräuber und Diplomaten. Der dänische Handel auf dem Indischen Ozean (1720-1868), Köln u.a. 1998.
Nørgaard, Anders: Mission und Obrigkeit. Die Dänisch-hallische Mission in Tranquebar 1706-1845, Gütersloh 1988.

Neue Jerusalemskirche, Tranquebar

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Stand: 06.11.2013
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